Es ist noch gar nicht so lange her, da war ich auf Jobsuche. Ich habe Bewerbungen geschrieben und Absagen erhalten. Ich habe Bewerbungen geschrieben und wurde zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Irgendwann bekam ich eine Zusage. Ich war überglücklich, aber nach den ersten Wochen legte sich das und irgendwann stellte ich fest: ich quäle mich – jeden Tag auf’s neue. Der Job war schrecklich, die Kollegen auch und ich wünschte, ich hätte die Möglichkeit gehabt vor unterschreiben des Vertrages für wenigstens einen Tag in den Job hineinschnuppern zu können. Leider war dem nicht so. Einige Bewerbungen später hatte ich wieder ein Vorstellungsgespräch. Darauf folgte dann ein Probearbeitstag. Ich sass mitten drin, für einen ganzen Tag. Habe gearbeitet,  mich mit den „Kollegen“ unterhalten und etwas vom „Büro-Spirit“ geschnüffelt. Es hatte mir gefallen und ich wohl auch, denn als nächstes bekam ich einen Vertrag. Bis heute habe ich es nicht bereut bei dieser Firma zu arbeiten. Die Kollegen sind nett, die Arbeit macht nach wie vor Spaß. Ok, es gibt Momente da zähle ich trotzdem die Tage bis zum Wochenende oder wünsche mir, der Tag möge schnell vorbei gehen. Aber das kommt äußerst selten vor und ist auch ok. Es war nie meine Erwartung, täglich mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen durchs Büro zu tanzen! Wichtig ist, ich fühle mich wohl und ich trage Verantwortung.

Zu dieser Verantwortung gehört aktuell auch das führen von Vorstellungsgesprächen. Nun sitze ich an der anderen Seite vom Tisch und es fühlt sich seltsam an! Ich habe volles Verständnis für mein Gegenüber. Feuchte Hände, das verhaspeln von Wörtern und vor Aufregung vergessen, dass die Frage, welche man sich mit Sorgfalt überlegt hatte, schon zu Beginn des Gespräches vom Gegenüber beantwortet wurde. Aber ich habe auch eine Verantwortung gegenüber meinem Arbeitgeber. Ich kann nicht jeden einstellen, sondern muss herausfinden wer zu uns passt.Dazu gehört auch das ausloten der Fähigkeiten und das Herausfinden der Motivation. Keiner weiß besser als ich, das man sich bei der Jobsuche auch auf Stellen bewirbt, die man nicht so aufregend findet. Jobs, auf die man eigentlich keine Lust hat und die man, sollte es klappen, mit dem festen Vorsatz nach einem Jahr bzw. bis man etwas besseres hat, wieder zu kündigen. Das sind natürlich nicht die Bewerber die ich einstellen möchte. Ich will einen neuen Kollegen, der Lust auf diesen Job hat. Jemanden, der in unser Team passt und sich einbringen will. Jemanden, auf den ich mich verlassen kann und der nicht die Flinte ins Korn wirft, wenn es ernst wird. Also stelle ich meine Fragen, die in meinen Ohren schon ab und an fies klingen. Und, wenn es nicht der richtige Bewerber ist, diesen auch mal aus der Ruhe bringen und ihn zwingen die Maske fallen zu lassen.

Was ich daraus gerade lerne ist: es ist genauso schwierig die richtige Person einzustellen, wie den richtigen Job zu bekommen! Und es reicht nicht immer aus gut vorbereitet zu sein. Manchmal reicht es schon, offen und ehrlich über sich und seine Leistungen zu sprechen um zu überzeugen!

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