English: Original work created by User:Grk1011...

Ewig habe ich schon nicht mehr an ihn gedacht. Unsere gemeinsame Zeit liegt auch schon eine Ewigkeit zurück. Gestern dann lief er mir über den Weg, mitten auf einem Weihnachtsmarkt.Zuerst registrierte ich nur ein seltsam bekanntes Gesicht in der Menge, in der nächsten Sekunde schoss mir sein Name durch das Hirn. Ich ignorierte alles und ging weiter. Er aber drehte sich um und rief meinen Namen. Also ergab ich mich in mein Schicksal und drehte mich um. Da stand er. Unverändert und strahlte mich an. „Du bist es doch!“ Mit diesen Worten kam er auf mich zu. Ich wusste nicht recht, wie ich mich verhalten sollte, also gab ich ihm die Hand. Nach all der Zeit war er doch ein Fremder geworden. Ihm ging es da offenbar anders. Mit strahlendem Blick stellte er fest, dass ich mich nicht verändert hatte. Diese Feststellung verwirrte ihn anscheinend denn er starrte mich mit fröhlichem Gesicht weiter an. Schließlich sagte er, er sei mit Freundin und Sohn da. Er ging in Richtung seiner Familie und winkte mir zu mit ihm zu kommen. Dann stellte er mir seine Freundin und seinen 3 jährigen Sohn vor. Sie war etwas distanziert und hielt sich im Hintergrund. Ich konnte mit ihr fühlen. An ihrer Stelle wäre mir sein Enthusiasmus für die Ex mächtig auf den Keks gegangen. Nicht so sein Sohn. Dieser zupfte an meinem Finger und wollte meine Aufmerksamkeit. Als ich mich dem Kleinen zuwenden wollte redete mein Ex weiter auf mich ein. So zupfte der Kleine also weiter an meinem Finger und blickte mit großen Augen zu mir auf während ich versuchte die Zeit nach der Trennung in allgemeine Sätze zu bringen. Gar nicht so leicht. Was soll, kann und darf man bei einem solchen Treffen sagen? Er hatte sich um sowas nie Gedanken gemacht. Es ginge ihm gut, er sei Selbstständig. Mit seiner Freundin zusammen hatte er eine kleine, erfolgreiche Firma gegründet. Dann schwärmte er mir vor, wie toll es doch sei sein eigener Chef zu sein und sich beruflich frei entfalten zu können. Mein Mann, der voraus gelaufen war und von dieser Attacke nichts mitbekommen hatte, stand in einiger Entfernung und wartete auf mich. schließlich verabschiedete ich mich und erzählte meinem Mann, wer mich da aufgehalten hatte. Schweigend gingen wir zum nächsten Stand. Mein Mann wollte wissen, ob da noch Gefühle für den Ex wären. Dies konnte ich spontan verneinen. Das einzige was mich wirklich beschäftigte war: würde ich ebenfalls jemals mein eigenes, kleines Unternehmen haben und davon leben können?

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