Gedanken zum Muttertag

Nach Wikipedia hat der Muttertag seinen Ursprung 1914 in der englischen und US-amerikanischen Frauenbewegung. Eigentliches Ziel war es, dass die Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollen. Ab den 1860er-Jahren entstanden auch in Europa diverse Frauenbewegungen und Frauenvereine, die sich neben Friedensprojekten und mehr Frauenrechten auch für bessere Bildungschancen für Mädchen einsetzten. In den 1890ern wurde der Frauenweltbund gegründet, der in internationalen Frauenkongressen auch für mehr Anerkennung der Mütter eintrat.

In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 vom Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert. Mit Plakaten in Schaufenstern, kleineren Werbekampagnen und Veranstaltungen bis hin zu Muttertagspoesie wurde dem ersten deutschen Muttertag am 13. Mai 1923 durch den Vorsitzenden des Verbandes, Rudolf Knauer, der Weg bereitet. Interessant, oder? Wir haben aus den Zielen einer Frauenbewegung einen kommerziellen Feiertag gemacht!

Grundsätzlich kann ich dem Muttertag nichts falsches abgewinnen. Mütter haben in den meisten Fällen eine Doppelbelastung. Neben der Kindererziehung haben viele von ihnen auch noch einen Job. Das ist nicht einfach und funktioniert in den meisten Fällen nur mit einem guten sozialen Netzwerk. Der Familie, in den meisten Fällen die Großeltern, und oder Einrichtungen wie Kindergärten, Krippen und Tagesmüttern. Zusätzlich zu dieser Doppelbelastung sind Mütter auch noch anderen, nennen wir es Belastungen, ausgesetzt. Im Job ist es als Mutter sehr schwer Karriere zu machen. Zum einen ist dies bedingt durch Teilzeitarbeit, zum anderen aber auch die Erwartungshaltung das Mütter nicht so einsatzfähig sind wie Mitarbeiter, die in Vollzeit arbeiten. Aber auch hier habe ich schon erlebt, das ich als Frau in meinem beruflichen fortkommen ausgebremst wurde. Zitat eines früheren Chefs von mir: „Du heiratest? Dann bist du ja sowieso bald schwanger und ich kann nicht mehr auf die bauen. Da vergeude ich meine Zeit, wenn ich dich weiter aufbaue!“ Blöd nur, das nicht ich schwanger geworden bin, sondern meine unverheiratete Kollegin. Die gute hatte nämlich aus meiner Erfahrung gelernt und ihre Beziehung nicht an die große Glocke gehängt. Geheiratet hat sie dann nach der Geburt des Kindes.

Aber nicht nur Vorgesetzte schränken Frau ein. Auch das Umfeld sorgt oft und gern für ein schlechtes Gewissen. So bekomme ich aus meinem Umfeld auch oft zu hören: „Wenn ich Kinder habe, dann will ich voll und ganz für sie da sein. Arbeiten werde ich die ersten Jahre auf keinen Fall. Sonst brauche ich ja auch keine Kinder in die Welt setzten!“ An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zum Mann mit sicherem Einkommen! Nicht jede Familie kann mit nur einem Einkommen auskommen! Aber selbst wenn dem so sein sollte, warum sollte ich als Frau vor die Wahl gestellt werden entweder Mutter oder Karrierefrau zu sein? Was ist, wenn ich beides will und mir aus diesem Grund keine lange Auszeit leisten kann und will. Je nachdem in welcher Branche ich arbeite, bin ich für Arbeitgeber uninteressant wenn ich länger als ein Jahr aus dem Job bin. Dann bin ich nämlich nicht mehr auf dem Laufenden und die Konkurrenz schläft ja bekanntlich nicht. Das nennt sich dann Zwickmühle!

Umgekehrt ist es auch nicht grade einfach. Oft werde ich gefragt warum ich eigentlich keine Kinder habe. Diese Frage finde ich, wenn sie von Personen kommt, die nicht zu meinem engeren Umfeld gehören, unhöflich. Meine Antwort fällt hier je nach Stimmungslage aus. Wenn ich provozieren möchte, antworte ich gerne, das ich mich bewusst gegen Kinder entschieden habe. Manchmal möchte ich auch schockieren und verweise auf eine frühere Erkrankung aufgrund derer ich keine Kinder bekommen kann. In den meisten Fällen gehen diese Leute davon aus, das es an mir liegt. Also ich entweder diese Entscheidung bewusst getroffen habe, oder aus gesundheitlichen Gründen keine Schwangerschaft möglich ist. Das zum schwanger werden allerdings zwei Parteien gehören und auch der Mann „schuld“ an der Situation haben kann, wird meistens gedanklich ausgeschlossen.

Wie dem auch sei: als Frau muss man sich oft für die persönliche Situation rechtfertigen. Entweder weil man Mutter ist oder nicht, oder Mutter werden könnte. Diese Feststellung bringt mich auf den Gedanken, das eigentlich alle Frauen Muttertag feiern sollten. Aber halt: für uns Frauen gibt es ja den Welt-Frauen-Tag! In diesem Sinne wünsche ich allen Müttern einen schönen Muttertag. Ihr habt ihn euch redlich verdient!

und was sagst Du dazu?