Vermutlich kommt dem einen oder anderen von euch die Überschrift bekannt vor. Ich habe sie aus dem gleichnamigen Buch „Über den Umgang mit Menschen“ von Freiher Adolf von Knigge übernommen. Jetzt dreht sie durch werdet ihr denken, aber nein!

In letzter Zeit habe ich mich oft über meine Mitmenschen aufgeregt. Ich habe das Gefühl, ich werde nicht mehr wahr genommen. Kennt ihr das Gefühl? Ihr geht auf dem Gehweg und ein Gruppe von drei oder mehr Personen kommt euch entgegen. Alle laufen nebeneinander und ihr müsst auf die Straße ausweichen, da keine dieser Personen zur Seite geht um euch vorbei zu lassen. Ihr betretet einen Raum und wünscht den Anwesenden einen guten Morgen oder guten Tag und niemand antwortet. Ihr unterhaltet euch mit jemanden und eine dritte Person kommt hinzu und unterbricht euer Gespräch ohne sich zu entschuldigen oder gar eine Pause abzuwarten. Ihr wollt etwas sagen und werdet ständig von anderen unterbrochen und könnt eure Sätze nicht beenden. Oder ihr sprecht jemanden an und die betreffende Person ist mit den Gedanken gar nicht bei der Sache. Statt sich zu entschuldigen und darauf aufmerksam zu machen, das er oder sie grade den Kopf voll mit anderen Dingen hat und sich darum nicht auf das Gespräch konzentrieren kann, wird nur abwesend genickt und irgendwas gemurmelt. Manchmal sind es nur die kleinen Gesten der Höflichkeit, wie z.B. der hinter mir gehenden Person die Tür aufzuhalten. Als Autofahrer für jemanden, der über die Straße geht, kurz zu halten, oder einfach nur ein freundliches Dankeschön für eine kleine Aufmerksamkeit. Ich bin noch so erzogen worden, habe jedoch das Gefühl zu einer aussterbenden Art zu gehören. Kommt euch dies bekannt vor? Ja? Ich finde, dagegen müssen wir etwas tun! Sicher, so ganz fehlerfrei bin ich auch nicht. Auch ich muss mich an die eigene Nase fassen. Aber ich gelobe Besserung!

In der nächsten Zeit werde ich immer mal wieder ein „Motto der Woche“ ausgeben und versuchen mich an dieses Motto zu halten. Ich würde mich freuen, wenn ihr mit macht. Gemeinsam schaffen wir das!

Für die kommende Woche geht es um den ersten Eindruck. „Man empfängt den Menschen nach dem Kleide und entlässt ihn nach dem Verstande.“ Dies ist ein Zitat des deutschen Lyrikers Karl Simrock (1802 – 1876).

Für den ersten Eindruck unseres Gegenübers bedarf es nur weniger Sekunden. Sieben Sekunden sind hier wohl noch recht großzügig gedacht. Was zählt ist daher das Offensichtliche, wie Körpersprache, Mimik, Gestik, das allgemeine Erscheinungsbild. Die meisten Menschen sind davon überzeugt, sich auf den ersten Eindruck, welchen sie von einer Person gewonnen haben, verlassen zu können. Diese Überzeugung ist falsch!

Hier ein kleines Beispiel: Stellt euch vor, ihr seid auf einer Party. Dort lernt ihr jemanden kennen, mit dem ihr euch gut unterhalten könnt. Im Laufe des abends gestikuliert diese Person nun heftig und verschüttet dabei versehentlich den Inhalt des Glases in eurer Hand auf eure Kleidung. Die andere Person entschuldigt sich vielmals. Sicher denkt ihr: Ach, das kann ja mal passieren…. In der folgenden Woche seid ihr wieder auf einer Party. Hier sucht ebenfalls jemand das Gespräch mit euch. Diese Person ist euch allerdings auf Anhieb total unsympathisch. Dem Gespräch mit dieser Person könnt ihr euch jedoch nicht entziehen. Prompt passiert dieser Person das gleiche: bei einer ausladenden Geste verschüttet sie den Inhalt eures Glases über eure Kleidung. Was denkt ihr jetzt? Sicher gehen die Gedanken in eine nicht so positive Richtung und ihr fühlt euch in eurem ersten Eindruck bestätigt. Eigentlich ist aber dieser Person lediglich das gleiche Missgeschick passiert wie der Person in der Woche zuvor. Der einzige Unterschied ist jedoch der, dass euch die erste Person sympathisch war und die zweite Person nicht. Eventuell lag es aber gar nicht an dieser zweiten Person, dass sie euch auf Anhieb unsympathisch war. Vielleicht hattet ihr einfach nur einen schlechten Tag, oder ein negatives Erlebnis beim verlassen der Wohnung als ihr auf dem Weg zur Party wart. Darum wart ihr genervt als ihr diese zweite Person kennengelernt habt und dies hatte womöglich Einfluss auf eure Wahrnehmung. Auf was ich hier hinaus will ist: verlasst euch nicht auf den ersten Eindruck. Dieser kann unmöglich wiedergeben, was euer Gegenüber ausmacht. Schaut immer ein zweites Mal hin bevor ihr euch eine Meinung bildet. Da dies jedoch auch umgekehrt gilt, sollten wir uns alle bemühen einen guten ersten Eindruck zu machen, denn unser Gegenüber ist womöglich nicht bereit uns eine zweite Chance zu geben.

Also für die kommende Woche gilt: Anderen eine zweite Chance für den ersten Eindruck geben und selber einen guten ersten Eindruck auf andere machen!

Quellen: Über den Umgang mit Menschen – Freiherr von Knigge und Little Black Book Knigge – Carolin Lüdemann

 

%d Bloggern gefällt das: