Seit einer Weile bin ich wieder auf Jobsuche. Ich will endlich den einen Traumjob finden, bei dem ich das Gefühl habe, ich möchte ihn bis zu meiner Rente ausüben. Ist dies zu viel verlangt? Gibt es diesen Job wirklich? Ich gebe nicht auf und schreibe Bewerbungen – viele Bewerbungen. Bis jetzt war es für mich selbstverständlich, auf meine Emails eine kurze Rückmeldung zu bekommen, gern auch automatisiert, die mir den Eingang meiner Unterlagen bestätigt. Schließlich lege ich ja mein ganzes Herzblut in diese Anschreiben und ich will sicher gehen, das dieses Schreiben auch ankommt. Die Realität sieht leider etwas anders aus. Gefühlt war das früher anders, jetzt habe ich den Eindruck, meine Email kommt in einen Ordner zu den ganzen anderen und wenn zufällig jemand drüber fällt, dann wird sie auch geöffnet und ganz vielleicht auch weiter gereicht. Eine Eingangsbestätigung erhalte ich selten. Teilweise hake ich nach, teilweise denke ich aber auch, dass ich in einer solchen, offensichtlich chaotischen Firma nicht arbeiten möchte.

In seltenen Fällen kommt es dann auch zu einem ersten Termin. Früher war ich euphorisch wenn ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Mittlerweile hält sich dies in Grenzen. Selbst wenn ich aus dem Gespräch gehe und ein gutes Gefühl habe, hält dies nicht sehr lange an. Am nächsten Tag schon stellen sich die ersten Zweifel ein: Was hätte ich besser machen können? Warum habe ich diesen blöden Fehler gemacht? Und dann das quälende Warten. Kommt eine Absage, obwohl ich es nicht hätte noch besser machen können? Was hat der andere Bewerber vielleicht besser gemacht als ich? Manchmal werde ich nach dem Vorstellungsgespräch gebeten mir alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen und mich in ein bis zwei Tagen zu melden um mitzuteilen, ob die Position noch immer interessant für mich ist. Als ich dies das letzte mal getan hatte, freute sich mein Gesprächspartner. Er war der Juniorchef des Unternehmens und hatte das Gespräch mit mir geführt. Er teilte mir freudig mit, dass ich bei ihm auch „hoch im Kurs“ stehe und sein bisheriger Favorit sei. Allerdings müsse er sich noch einen anderen Bewerber ansehen und sich im Anschluss bei mir melden. Auf diese Rückmeldung habe ich ewig gewartet. Der von ihm mitgeteilte Zeitrahmen war bereits weit überschritten als er sich meldet um mir mitzuteilen, das sich die Entscheidung leider noch etwas hinziehen würde. Ich bot ihm an, gern zu einem zweiten Gespräch vorbei zukommen. Wir könnten dann noch offene Fragen klären. Dies lehnte er ab. Schließlich, wieder einige Tage über dem festgelegten Zeitraum kam dann, nachdem ich eine Email mit Bitte um Info geschrieben hatte, die Antwort: Er hätte sich nun doch für einen anderen Bewerber entschieden und es täte ihm leid. Um noch extra Salz in meine Wunde zu streuen erhielt ich zwei Tage später nochmals ein Absage-Schreiben. Diesmal offiziell von der Personalabteilung.

Zwischenzeitlich hatte ich ein Einladung bei einem anderen Unternehmen zum Vorstellungsgespräch. Hier erhoffte ich mir größere Chancen, das die Position fast identisch mit mit meiner alten war. Das erste Gespräch verlief sehr positiv und hier bekam ich nach einiger Wartezeit (bedingt durch Urlaub, was vorher angekündigt war) eine Einladung zu einem zweiten Gespräch. Dieses verlief sehr gut und ich hatte das Gefühl „gepunktet“ zu haben. Einige Tage später erhielt ich dann sogar eine Email in der mir mitgeteilt wurde, dass ich einen sehr positiven Eindruck hinterlassen hätte und man sich freuen würde, mich im Team zu begrüssen! Hurra! Alles klar, ich habe den Job – dachte ich…. Meinen Freunden, die mit mir gefiebert und Daumen gedrückt hatten teilte ich gleich diese positive Rückmeldung mit und sie freuten sich mit mir. Dann kam noch eine Email: Da das Unternehmen zwischenzeitlich verkauft worden war, wollte der Geschäftsführer des neuen Inhabers mich gern persönlich kennen lernen. Mein Mann war recht positv: „Das wird ein nettes Gespräch in dem ihr nochmal über die Eckdaten wie Gehalt und so sprecht oder sie legen dir gleich den Vertrag vor!“ Ich war mir da nicht so sicher…. Dieses dritte Gespräch verlief nicht so gut. Mir war nicht so recht klar, was mein Gegenüber von mir wissen wollte, also erzählte ich im meinen Lebenslauf und hob die entscheidenden Stationen hervor. Hierbei stellte ich fest, das er sich mit dem Geschäftsmodell seiner „Neuerwerbung“ noch nicht so gut auskannte. Das machte mich stutzig. Als das Gespräch beendet war, ging ich erleichtert nach Hause. Allerdings hatte ich ein ungutes Gefühl. Bis Ende der Woche wollte man sich entscheiden, hatte man mir mitgeteilt. Eigentlich – dachte ich – hatte man sich doch schon entschieden? Nicht gut! Der Freitag kam und ging ohne neue Nachricht, dann wurde es Montag und am Dienstag kam dann die Absage! Ist das zu fassen? Ich bin so entmutigt, dass ich keine Lust mehr verspüre Bewerbungen zu verschicken. Den Berg an Absagen lasse ich hier mal unerwähnt! Ist es so, das Unternehmen heute aus dem vollen schöpfen können? Es scheint da draußen recht viele Bewerber zu geben, die grade die Uni bzw. Ausbildung abgeschlossen haben und wie von Zauberhand zwei bis drei Jahre Berufserfahrung sammeln konnten. Die Gehaltsvorstellungen sind selbstverständlich gering, auch wenn eine Vielzahl an Erfahrungen und Fähigkeiten vorgewiesen werden kann. Allerdings verstehe ich dann nicht das Geschrei nach Fachkräften, an denen es ja zu mangeln scheint.

Liebe Unternehmen,

erstens solltet ihr euch darüber bewusst sein, das der Umgang mit euren Bewerbern auf euch und eure Firmenphilosophie zurück fällt und

zweitens: wenn ihr Fachkräfte braucht und ihr diese nicht findet, fragt euch ob es Sinn macht auf Quereinsteiger oder auch Berufseinsteiger zu setzten um diesen dann euren „Stempel“ aufzudrücken. Diese Leute sind offen für Neues und lernen gerne dazu. Mit dieser Einstellung sind sie durchaus eine Bereicherung für das Unternehmen!

Mit freundlichen Grüßen,

ein gefrusteter Bewerber

[tweetthis hidden_urls=“http://www.beverleybellefield.com/“]Liebe Unternehmen: der Umgang mit euren Bewerbern fällt auf euch und eure Firmenphilosophie zurück![/tweetthis]

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